Selbstberührung
Berührung ist Lebendigkeit
Berühren und Berührtwerden ist genau so existentiell für das menschliche Wohlbefinden, wie Essen, Trinken und Schlafen.
Eine Berührung kann uns in der Gegenwart verankern, sie kann uns zu tiefst beruhigen, sie kann unsere zelluläre Selbstwahrnehmung aktivieren.
Wenn du dein Leben und deine Sexualität entwickeln möchtest, ist die aufmerksame Selbstberührung ein wundervoller Baustein dafür.
Selbstberührung
Hier gibt es jetzt erst einmal 3 Inspirationen, wie du dich selbst wahrnehmen kannst durch Berührung deines eigenen Körpers.
Viel Spaß beim Ausprobieren!
1. Duschen, Abtrocknen, Eincremen - alltägliche Rituale transformieren
Nimm eine schöne warme Dusche. Nach einigem Abduschen beginne damit, mit dem Wasser bewusst und langsam über jeden einzelnen Teil deines Körpers zu streichen. Versuche dabei, den Teil der gerade abgebraust wird wird wahrzunehmen. Wie fühlt sich dein kleiner Finger, dein Ellenbogen, dein Beckenknochen, deine rechte Pobacke oder dein linkes Knie unter den Wasserstrahlen? Gib dir Zeit, dich wirklich zu spüren.
Nach dem Duschen, trocknen wir uns meistens ab. Auch das ist eine Berührung von dir selbst über das Medium des Handtuchs. Versuche erneut, deine Aufmerksamkeit immer genau dort hinzusenden, wo du dich gerade abtrocknest. Du kannst auch mit verschiedenen Tempi, mit unterschiedlichen Druck oder verschiedenen Abrubbelarten spielen. Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt, wenn wir Bewusstheit und eine Alltagshandlung einbringen.
Besorge dir ein Öl, das du gern riechen magst. Nach dem Duschen verteilst du es Stück für Stück auf deinem ganzen Körper. Zu jedem Körperteil, den du langsam und aufmerksam einölst, versuchst du Kontakt aufzunehmen, indem du dich selbst ansprichst: Öle deine Hand ein und sage am Ende des Einölens „das ist meine Hand“, zum Bauch „ich bin mein Bauch“, zum Bein "ich bin mein Bein" und so weiter. Damit sammelst du dich selbst ein und gibst jedem Teil von dir das Gefühl gesehen zu werden.
Mir persönlich kommt mein Körper manchmal vor, wie eine große Familie, jeder Körperteil, jedes Organ, jeder Knochen und jeder Muskel ist ein Familienmitglied. Und wie es in Familien so ist, will jeder anerkannt und geliebt werden.
In deinem Ölritual sprichst du jeden Zentimeter von dir an, natürlich auch deine Genitalien, dein Gesicht, deinen Kopf, die Unterseite deiner Füße (alles Bereiche, die gern mal „vergessen“ werden).
Am Ende deiner Ganzkörperölung kannst du dich zum Beispiel in einer Fötusstellung hinlegen, alle deine Körperteile zum Zentrum bringen und dich fest umarmen.
2. Von Kopf bis Fuß
Nimm dir mindestens 20 Minuten Zeit.
Stell dich hin, schließe deine Augen und Beginne mit dem Kopf: Kraule deine Kopfhaut als würdest du Shampoo auftragen. Versuche deinen Kopf als Teil deines Körpers wahrzunehmen und ihn aus dem Denken ins Fühlen zu bringen; wie ist die Landschaft deines Kopfes geformt? Gibt es Bereiche, die sich anders anfühlen als andere Bereiche? Wie kräftig magst du dich gerade am Kopf kraulen?
Nimm deinen Kopf ganz in deine Hände von vorne und von hinten und dann von links und rechts und baue leichten Druck auf. Was nimmst du wahr?
Lege deine Hände auf deine Wangen. Nimm ein paar tiefe Atemzüge. Streiche mit beiden Händen links und rechts über deine Wangen und Ohren bis zu deinem Hinterkopf. Wiederhole diese Bewegung ein paar Mal.
Lege deine Hände auf deine Augen. Nimm ein paar tiefe Atemzüge. Streiche mit beiden Händen über deine Stirn und über deinen ganzen Kopf bis hinunter zum Nacken und zu deinen Schultern. Wiederhole diese Bewegung ein paar Mal.
Lege deine Hände links und rechts an deinen Unterkiefer und streiche mit etwas Druck von deinem Unterkiefer über deinen Hals bis zu deinen Schlüsselbeinen. Wiederhole auch diese Bewegung ein paar Mal.
Lege dann beide Hände sanft um deinen Hals. Was fühlst du?
Von deinem Hals aus streiche jetzt einmal deinen ganzen Körper aus; streiche über deine Brust und deinen Bauch, über deine Arme und Hände, über deinen Rücken und deinen Po, über deine Genitalien, deine Beine und Füße.
Dann setz dich hin und widme dich deinen Füßen. Nimm dir mindestens 5 Minuten Zeit für jeden Fuß:
Berühre, massiere und streichele deine Füße – erst den einen, dann den anderen Fuß - mit deinen Händen. Schließe dabei deine Augen und schenke der gesamten Struktur deiner Füße interessierte Aufmerksamkeit. Berühre jeden Zeh einzeln, nimm deine Verse ganz in die Hand, übe Druck an verschiedenen Punkten deines Fußes aus. Berühre dich so, wie es deinen Füßen gut tut.
Dann stell dich hin und fühle deine Füße auf dem Boden.
Fühle deinen Kopf, den du vorher aktiviert hast in der Luft.
Deine Füße sind deine Verbindung zur Erde, dein Kopf ist deine Verbindung zum Himmel. Fühle deine ganze Körperlänge zwischen diesen beiden Polen.
Stehe in deinem Körper.
3. 5-Minuten-Challenge
Nimm dir zum Beispiel eine Woche Zeit für diese Challenge. Jeden Tag vor dem Schlafengehen und/oder nach dem Aufstehen berührst du dich 5 Minuten lang selbst. Such dir jedes Mal einen Teil deines Körpers aus, dem du heute Aufmerksamkeit schenken möchtest. Stelle dir einen Wecker, damit du auch mindestens 5 Minuten dabei bleibst. Fühle dich in den ausgesuchten Körperteil ein, indem du z.B. erst einmal eine Hand darauf legst, um Kontakt aufzunehmen. Dann lass dich treiben, von den Berührungsimpulsen, die du von dir selbst bekommst. Wenn du möchtest, kannst du die Zeit natürlich verlängern und auch andere Körperteile in deine Selbstberührung mit einbeziehen.
Schau einfach mal, was das mit dir macht :-)