Kein Mann für leichte Stunden (2017)

Éléonore Pourriat

Damien, ein französischer Macho, erwacht in einer Welt, in der Frauen die großen Macker sind, das Geld verdienen, den Männern hinterher pfeifen; in der Männer sich überall rasieren, als Sexsymbole in jeder Werbung herhalten, die feinfühligeren, emotionaleren und sanfteren Wesen sein sollen.

Auf den ersten Blick könnte „Kein Mann für leichte Stunden“ wie ein klischeehafter Rollentausch-Film wirken. Aber gerade in den Feinheiten des Ausdrucks der Schauspielenden zeigt sich eine echte Brillanz und großer Tiefgang.

Die Schauspieler*innen lassen sich wunderbar auf Detailarbeit ein in Sachen Bewegung, Körperhaltung oder Gesichtsausdruck, Sprachunterschiede, Stimmlagen, Wortwahl, Blicke und Ausstrahlung – auf diesen Ebenen spielt der Film präzise und subtil hinter dem Offensichtlichen.

Weit über jedes Klischee hinaus sehen wir die feinen Wirkmechanismen einer geschlechterspezifischen Sozialisation und auch die Beliebigkeit der Zuschreibungen von Charaktereigenschaften für „Frauen“ und „Männer“.

Weder Männer noch Frauen gewinnen in diesem Film, vielmehr scheint er mir ein Aufruf zu sein, das eigene Sozialisations-Korsett noch einmal unter die Lupe zu nehmen und zu versuchen, sich und Andere noch wesentlicher anzusehen.

"Kein Mann für leichte Stunden" ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme geworden! Bei jedem Schauen regt er mich wieder dazu an über die Frage nachzudenken: Wer sind wir jenseits der Rollenbilder in denen wir aufwachsen?

von Larissa Bolz

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