Beate Uhse - Das Recht auf Liebe (2011)

Hansjörg Thurn

Als großer Fan von Biographien war die Filmbiographie über Beate Uhse für mich ein besonderes Fundstück über einen Teil der deutschen Geschichte, den man ansonsten selten zu Gesicht bekommt: Der Entwicklung unserer sexuellen Kultur.

In den Wirren der Nachkriegszeit gestaltet Beate Rotermund die Verhütungsbroschüre "Schrift X" und versucht gegen immense staatliche und kirchliche Widerstände eine sexuelle Aufklärung voranzutreiben. Sie gründet ihre eigene Firma und verkauft bald weitere Ratgeber, Kondome und sexuelle Hilfsmittel. Der "Unzuchtsparagraph" 184 wird sie dabei in rund 2000 Verfahren begleiten. Dies kann jedoch eine Beate Uhse nicht von dem Vorantreiben ihres wachsenden Versandhauses abbringen und dank eines befreundeten Anwalts gewinnt sie jeden einzelnen dieser Prozesse! Aber auch die private Kehrseite von geschäftlichem Erfolg und die psychischen Wunden der Nachkriegszeit werden anhand dieser Biographie sehr deutlich.

"Das Recht auf Liebe" zeigt einmal mehr, dass für sexuelle Aufklärung und Entkriminalisierung hart gekämpft wurde und nach wie vor gekämpft werden muss.

Beate Uhse ist eine echte Vorreiterin in Sachen sexuelle Aufklärung und Entkriminalisierung der Sexualität. Dass es für uns heute selbstverständlich sein kann, uns in einem Erotik-Fachgeschäft beraten zu lassen und uns dort Inspirationen für unser Sexleben zu suchen, das haben wir mit unter dieser Frau zu verdanken. Schön, das in diesem Film noch einmal so vor Augen geführt zu bekommen.

von Larissa Bolz

Du bist ein*e Künstler*in?

Dann schreib uns einfach, was du kreiert hast. Wir berichten gerne über dich und deine Arbeit.