Anti-Empfehlung: 50 Shades of Grey (2015)

Sam Taylor-Johnson
 
Was BDSM NICHT ist

Der Film "50 Shades of Grey" hat eine Menge Aufregung verursacht, seit er im Jahr 2015 veröffentlicht wurde. Er wurde von vielen als romantisch, sexy und aufregend bezeichnet. Doch leider repräsentiert der Film nicht das BDSM-Leben oder die BDSM-Kultur in ihrer Gesamtheit, sondern erzeugt Klischees und Stereotypen, die die Realität des BDSM-Lebens absolut nicht widerspiegeln.

 

DARUM GEHT ES

Der Film handelt von einer naiven Jungfrau namens Ana und vom reichen Geschäftsmann Christian Grey. Beide sind interessiert aneinander, aber Christian macht klar, dass er Dominant ist und keine “Vanilla” oder romantische Beziehungen führen kann.

 

FRAGWÜRDIGER KONSENS

Der Film zeigt, dass Ana sich nicht wirklich sicher ist, ob sie die Dominanz-Submissions-Dynamik will, aber dennoch nachgeben muss, weil sie Christian Grey "haben" möchte. Das ist jedoch ein falsches Verständnis von BDSM. Die Dominanz-Submissions-Dynamik ist eine Wahl und keine Pflicht. Beide Parteien sollten in der Lage sein, ihre Bedürfnisse und Wünsche auszudrücken und sicherzustellen, dass sie im Einklang mit den Bedürfnissen und Wünschen ihrer Partnerperson stehen.

Im BDSM sollten alle Beteiligten informiert sein und wissen, was sie tun. Jede*r sollte eine klare Vorstellung davon haben, was die Macht-Dynamik zwischen ihnen bedeutet und was sie wollen und nicht wollen. Beide Seiten sollten aktiv involviert sein und es geht um beidseitigen Genuss. Alle Beteiligten sollten die Macht-Dynamik wollen und davon profitieren.

 

DIE KOMPLETT UNERFAHRENE JUNGFRAU

Im wahren Leben sollte jeder, der sich in eine BDSM-Beziehung begibt, eine erfahrene Person sein, die informierte Entscheidungen treffen kann. Im Film wird Ana als naive Jungfrau dargestellt, die keine Ahnung von Sex hat, aber sofort alle neuen Erfahrungen entspannt und sinnlich genießt, was etwas unrealistisch ist.

 

DIE KLISCHEES DER ÄSTHETIK

Das andere Klischee, das der Film vermittelt, ist, dass alle Menschen, die BDSM praktizieren, einen Fetisch für dunkle, rote, einschüchternde Räume haben. Dies ist jedoch falsch. BDSM kann in jeder Umgebung praktiziert werden, von einem einfachen Schlafzimmer bis zu einer Hotellobby.

 

CHRISTIAN’S FRAGWÜRDIGE “DOMINANZ”

Außerdem wird Christian Grey, der als Dominant agiert, oft als kontrollierend und einschränkend dargestellt.

In der Tat gibt es viele Missverständnisse über das Konzept der Dominanz. Es geht nicht nur darum, Macht über jemanden auszuüben, sondern vielmehr darum, Verantwortung für die submissive Person zu übernehmen. Es geht darum, eine sichere Umgebung zu schaffen, in der die submissive Person sich fallen lassen und ihre tiefsten Bedürfnisse und Wünsche ausdrücken kann. Sie zu unterstützen, zu führen und zu schützen. Dies erfordert viel Einfühlungsvermögen und Geduld. Es geht darum, Raum zu schaffen für Wachstum, Veränderung und persönliche Entwicklung.

In "50 Shades of Grey" wird das Konzept der Dominanz jedoch nur sehr oberflächlich dargestellt.

 

KINKS UND TRAUMA

Ein weiteres Problem des Films ist die Erklärung von Christian Greys Vorlieben durch seine traumatische Kindheit. Seine Kinks werden als Trauma-Reaktionen dargestellt, was eine traurige Botschaft für die vielen Menschen ist, die den Film gesehen haben. Denn nicht alle Vorlieben kommen aus schwierigen Erfahrungen und es ist auch keine Voraussetzung, um kinky Vorlieben zu haben. Einige Themen können sogar durch BDSM geheilt werden.

Durch die Darstellung von Christians Vorlieben als Ergebnis von Traumata wird definitiv eine einseitige und falsche Botschaft vermittelt.

 

ABSCHLUSS

Abschließend lässt sich sagen, dass "50 Shades of Grey" ein schlechtes Beispiel für BDSM ist. Die Beziehung zwischen Ana und Christian wirkt nicht authentisch und zeigt keine gesunde BDSM-Beziehung. Die Darstellung von Christians Vorlieben als Ergebnis von Traumata ist bedenklich und vermittelt eine falsche Botschaft. Wenn man sich für BDSM interessiert, sollte man sich lieber auf andere Quellen beziehen, um ein authentisches und gesundes Bild davon zu bekommen.

von Clara Fischl

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