Liebevolle Berührungen sind die Grundlage unserer Existenz

von Mikael R.A. Michna

Berührungen sind keine Kleinigkeit. Sie sind eine Grundlage unseres Lebens – so grundlegend wie das Essen und Trinken und Atmen. Gehalten werden, gestreichelt werden, umarmt werden: All das nährt uns auf eine Weise, die weit über das Körperliche hinausgeht. Sie ernährt unser Wesen auf allen Ebenen der Existenz. Wer als Kind nie berührt wurde, überlebt es schlicht nicht.

Das ist keine Metapher – es ist biologische Realität.

Wenn wir also bewusst berühren und berührt werden, geschieht etwas Tiefes in uns. Körper, Psyche und Gefühl reagieren gleichzeitig. Berührung ist Kommunikation auf der elementarsten Ebene.

Welche Körperstellen sind nun am empfindlichsten für Berührung? Die Antwort überrascht vielleicht nicht – und doch wird sie selten so klar ausgesprochen: Es sind die Sexualorgane. Nicht nur gemessen an der Dichte der Nervenrezeptoren sind Vulva, Klitoris, Penis und Hodensack die feinfühligsten Sensoren unseres Körpers. Sie nehmen Berührung nicht nur wahr – sie übersetzen sie in ein reiches Spektrum an Empfindungen, Energie und Information.

Das ist bemerkenswert. Denn in unserer Kultur werden genau diese Körperstellen fast ausschließlich auf ihre Fortpflanzungsfunktion reduziert. Als wären sie bloß biologische Werkzeuge zur Arterhaltung. Dabei sind sie in erster Linie etwas anderes: hochentwickelte Wahrnehmungsorgane und Transformatoren von Lebensenergie. Die empfindlichsten Schnittstellen, die wir haben, um mit anderen Menschen in Kontakt zu treten.

Dasselbe gilt – wenn auch anders ausgeprägt – für den Mund mit Lippen und Zunge sowie in einem sehr besonderem Maß für den Anus. Auch sie sind weit mehr als funktionale Körperöffnungen. Auch sie sind die besonders hochsensiblen Orte der Wahrnehmung und des Austauschs von Energie.

Was bedeutet das alles? Berührung ist kein Luxus und keine bloße Geste der Zuneigung. Sie ist ein essenzielles, lebensnotwendiges Bedürfnis – so unverzichtbar wie Essen, Luft, Wasser und Schlaf. Und die tiefste, nährendste und deshalb potentiell gesündeste Form dieser Berührung erfahren wir dort, wo unser Körper am empfindlichsten ist: in einer bewussten, elaborierten sexuellen Kommunikation. Nicht als Fortpflanzungsakt – sondern als die kraftvollste Art, dieses fundamentale Bedürfnis zu stillen.

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