BDSM - Spiel und Heilung

von Clara Fischl

BDSM (Bondage, Discipline, Dominance, Submission, Sadism, Masochism)

BDSM ALS SPIEL

Im BDSM geht es darum, in einen Zustand des Spiels zu gehen, in dem man offen und neugierig für Situationen ist, die körperlich erlebt werden, aber nicht zwangsläufig sexuell sind. Das Spiel ist ein Zustand, in dem wir am besten lernen können, da die emotionalen Zentren aktiviert werden und wir dadurch am besten in der Lage sind, nachhaltiges, langfristiges Lernen zu betreiben. Im BDSM lernen wir, über unsere eigenen Grenzen, Wünsche und Bedürfnisse zu sprechen und zu kommunizieren.

 

Sicherheit

Es ist wichtig, dass BDSM auf der Grundlage von "safe, sane and consensual" (sicher, vernünftig und einvernehmlich) praktiziert wird. Dafür helfen zum Beispiel Vor- und Nachgespräche, klar Grenzen und Wünsche aussprechen, und Safewords. Alle Beteiligten haben, jederzeit die Möglichkeit das Spiel zu beenden.

Man bemüht sich, möglichst bewusst und mit Austausch zu handeln, was paradoxerweise zu einer sichereren Erfahrung führen kann als im Alltag, in dem Machtgefälle oft eine Rolle spielen, aber nicht immer offen angesprochen werden. Im BDSM können wir lernen, solche Machtgefälle bewusst wahrzunehmen und auszutauschen. Natürlich kann auch im Spiel nie 100 % Sicherheit gewährleistet werden.

BDSM-Stillleben mit Schmuck, Peitsche
Heilung

BDSM kann auch ein Tor zur sexuellen Selbsterkenntnis sein und ein Brennglas für existentielle Gefühle wie die Frage, ob wir so angenommen werden, wie wir sind, auch mit unseren möglicherweise von der Gesellschaft nicht akzeptierten Fantasien und Wünschen. Das kann eine sehr heilsame Erfahrung sein.

Die Bindungstheorie besagt, dass Kinder, die sich sicher gebunden und angenommen fühlen, Autonomie und Freiheit erlangen.

Das kann auch für uns selbst bedeuten, dass wenn wir alle Aspekte unserer Persönlichkeit annehmen, wir mehr Autonomie und Freiheit erlangen. Dabei ist es wichtig, sich nicht als "okay, aber besser ohne dies oder das" zu sehen, sondern die eigenen Stärken und Schwächen wirklich anzuerkennen.

 

Über den Begriff BDSM

Bondage (Fesseln), Discipline, Submission, Dominance, Sadism, Masochism ist ein breites Feld, das viele Aspekte umfasst.

Fesseln ist nur ein Teil davon.

Submission und Dominanz gehen nicht nur um Schmerz, sondern um die verschiedenen Machtpositionen, die zwischen den beteiligten Personen eingenommen werden. Zum Beispiel können die Psychologischen Auswirkungen können stark variieren, je nachdem, ob eine Person kniet oder sitzt, während die andere Person steht oder auf Augenhöhe ist. Für beide Teile, Dominant und Submissiv, kann dies interessant sein.

Wenn Schmerz im BDSM erlebt wird, geschieht das nicht plötzlich ohne Vorwarnung oder ohne jegliche sinnliche Stimmung aufzubauen. Es gibt eine fließende Grenze zwischen Lust und Schmerz, die sich im Moment des Erlebens verändern kann. Sowohl die Lust als auch der Schmerz sind Zustände, in denen wir ganz im Hier und Jetzt sind und nicht an die Vergangenheit oder die Zukunft denken. Sie können eine Form der Meditation darstellen, in der wir ganz im Körper sind und präsent.

Spannend vielseitig

BDSM kann viele Dinge beinhalten und sich je nachdem worauf der Fokus gelegt wird, verändern. Wenn jemand die Meditation und das Ankommen im Hier und Jetzt sucht und den Kontakt zum eigenen Körper stärken möchte, kann BDSM eine geeignete Möglichkeit sein. Wenn jemand nach einem Ritual sucht, um aus dem Alltagsbewusstsein in einen Rauschzustand zu gelangen, der losgelöst und fast spirituell ist, kann BDSM auch eine Hingabe ermöglichen. Wenn man sich dem Leben in einem einvernehmlichen Spielkontext wirklich hingeben und sich ausliefern möchte, kann BDSM auch als spirituelle Praxis betrachtet werden.

BDSM kann auch ein Weg sein, um sich mit dem kindlichen Selbst zu verbinden und verbotene Dinge auszuleben, die man früher vielleicht versteckt oder verkleidet hat oder Schimpfwörter gesagt hat, die verboten waren. Wenn jemand etwas über sich herausfinden möchte, bei dem Schuld- oder Schamgefühle eine Rolle spielen, kann BDSM ein Weg zur tieferen Selbsterkenntnis und Persönlichkeitsentwicklung sein und dabei helfen Blockaden zu lösen.

Es kann sogar eine therapeutische Wirkung haben, obwohl es keine Therapie im klassischen Sinn ist. Es kann jemanden an Punkte führen, an die er oder sie mit anderen Therapieformen nicht herangekommen wäre.

 

Dominanz und Submission ausprobieren

Stell dir vor, dass du als Dominant für eine begrenzte Zeit für eine andere Person verantwortlich bist, sagen wir 15 oder 20 Minuten lang.

Es kann herausfordernd sein, diese Verantwortung zu übernehmen. Du musst dich auf deine Impulse verlassen, die Grenzen und Empfindungen der anderen Person richtig lesen und dafür sorgen, dass alles sicher und einvernehmlich abläuft. Viele Menschen haben Schwierigkeiten, mit dieser Verantwortung umzugehen und sich selbst zu vertrauen, wenn sie in eine dominante Rolle schlüpfen. Deshalb hat man im BDSM eine spezielle Sprache entwickelt, wie Code-Wörter und Safe Words, um gerade am Anfang zu navigieren und ein sicheres Umfeld zu schaffen.

Im Gegensatz dazu kann es für manche Menschen, schwierig sein, in der submissiven Rolle die Führung abzugeben und sich in der Hingabe zu üben. Aber wenn es gelingt, kann es eine wunderschöne und befreiende Erfahrung sein und das Vertrauen in den anderen stark vertiefen.

 

Langsam

Es ist wichtig, Hingabe nicht zu erzwingen und es ist auch normal, dass sich Grenzen im Laufe der Zeit verändern und sogar machmal enger werden können. Es ist so wertvoll und notwendig, sich Zeit für Integration zu nehmen und zyklisch anstatt linear zu denken: Es auch okay, wenn sich der Prozess für eine Weile im Hintergrund abspielt, wenn es Phasen gibt, wo z.B BDSM oder Kink weniger Präsent im Leben sind. Es braucht Mut, in die Langsamkeit oder die Stille zu gehen. Und es muss auch nicht immer um Selbstoptimierung gehen, sondern es darf auch Begeisterung, Freude und Humor in der BDSM-Praxis geben, ohne dass Selbstoptimierungsdruck entsteht. Der Raum des Nicht-Wissens und des Unvorhergesehenen kann das, was BDSM so schön und magisch macht.

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